Polen: Orthodoxe Kirche spricht Märtyrer von Katyn heilig
Der Hl. Synod der Polnischen Autokephalen Orthodoxen Kirche (PAOK) hat unter der Leitung von Metropolit Sawa (Hrycuniak) die Heiligsprechung der Märtyrer von Katyn beschlossen. Im Entscheid des Hl. Synods werden drei orthodoxe Militärgeistliche namentlich genannt: Oberst Szymon Fedorońko, der oberster orthodoxer Seelsorger in der polnischen Armee war, Oberstleutnant Wiktor Romanowski und Major Włodzimierz Ochab. Zudem betrifft die Heiligsprechung auch „Geistliche und Laien, deren Namen wir kennen und deren Namen wir nicht kennen. Nur Gott, der Allmächtige, kennt sie.“
Der offizielle Heiligsprechungsgottesdienst für die Märtyrer wird am 17. September 2025 stattfinden, der als jährlicher Gedenktag festgelegt wurde. Eine Ikone und ein Troparion zu ihren Ehren werden erstellt, andere Lokalkirchen werden über die Kanonisierung informiert.
Angehörige des Innenministeriums (NKWD) der UdSSR hatten vom 3. April bis 11. Mai 1940 in Katyn ein Massaker an 4421polnischen Offizieren und Beamten, aber auch an zahlreichen Sowjetbürgern verübt. Auf Befehl von Josef Stalin waren im Frühjahr 1940 laut dem sog. Schelepin-Bericht insgesamt 21857 kriegsgefangene polnische Offiziere, Priester und Intellektuelle ermordet worden. Ein Teil starb bei Katyn, weitere Massaker wurden bei Tver‘, Charkiv, in der Westukraine und in Westbelarus verübt. Die Sowjetunion verschwieg den Massenmord bis 1990, die Tat wurde den Deutschen in die Schuhe geschoben. Das russische Parlament hat die sowjetische Verantwortung für das Verbrechen in Katyn am 26. November 2010 anerkannt. Die Russische Orthodoxe Kirche und die römisch-katholische Kirche in Polen hatten anlässlich eines Besuchs des russischen Patriarchen Kirill (Gundjajev) im August 2012 in Polen in einer gemeinsamen Erklärung zur Versöhnung beider Völker aufgerufen. Patriarch Kirill erinnerte an die „gemeinsame Tragödie für Russland und Polen“, warnte aber in seiner Ansprache nach der Unterzeichnung der Erklärung zugleich davor, „Schuldige“ zu benennen.
Die Heiligsprechung wurde anlässlich der 100-jährigen Unabhängigkeit der PAOK, des 1700-jährigen Jubiläums des Konzils von Nizäa und dem 80-jährigen Gedenken zum Ende des Zweiten Weltkriegs bekanntgegeben. Auch die neue, 2023 eingeweihte Kathedrale „Hagia Sophia“ in Warschau ist als Gedenkstätte u.a. an die Opfer von Katyn konzipiert worden.
Regula M. Zwahlen