Slowakei: Bischöfe verhindern Totalverbot öffentlicher Messen

Trotz der steigenden Corona-Fallzahlen bleiben öffentliche Gottesdienste in der Slowakei möglich, es dürfen aber nicht mehr als 50 Gläubige teilnehmen. Diese Regelung, die im Zuge des am 1. Oktober in Kraft getretenen Staatsnotstands auch für Veranstaltungen im Sport- und Kulturbereich gilt, haben die Kirchen Ministerpräsident Igor Matovič abgerungen. Zuvor hatte der slowakische Regierungschef an einer Pressekonferenz nach Beratungen des nationalen Corona-Krisenstabs am 28. September überraschend ein Verbot jeglicher Massenversammlungen und damit auch aller öffentlichen Gottesdienste angekündigt. In der Folge hagelte es Proteste von Sportvereinen und Kirchenvertretern, woraufhin Matovič zurückrudern musste.

Erste massive Kritik äußerte noch am selben Abend der Generalsekretär der Slwaokischen Bischofskonferenz, Anton Ziolkovský. Er verwies darauf, dass „Bars bis zehn Uhr abends offenbleiben dürfen, Einkaufszentren faktisch rund um die Uhr besucht werden und Kinder sich in Schulen in einem Gebäude zusammendrängen“. Ein Verbot öffentlicher Messen wäre angesichts dessen „nicht nur unverständlich“, sondern könne „als unangemessener Eingriff in die Religionsfreiheit“ aufgefasst werden, so Ziolkovský. Der evangelisch-reformierte Bischof László Fazekas bezeichnete die Regierungsankündigung explizit als „kirchenfeindlich“.

Ins gleiche Horn blies Bischofskonferenz-Sprecher Martin Kramara. Man sei von Matovičs Ankündigung einer landesweiten Aufhebung der Gottesdienste insofern überrascht worden, als man den Kirchen versprochen habe, dass „für sie bei Einhaltung der verschärften Anordnungen die von den Fachleuten vorgeschlagene Ampel“ gelten werde. Kramara bezog sich damit auf ein von der Bischofskonferenz erst Mitte September nach Rücksprache mit den Behörden eingeführtes Ampelsystem zu Covid-19-Schutzmaßnahmen bei Gottesdiensten und kirchlichen Veranstaltungen. Über eine Aufhebung der Gottesdienste hingegen habe mit den Kirchen niemand gesprochen, und den Priestern vorzuschreiben, nicht öffentlich zu feiern, liege ausschließlich in der Kompetenz der Bischöfe, wurde Kramara deutlich. So etwas könne „der Staat nicht ohne ihre Zustimmung“ verfügen.

Hintergrund dieser Feststellung war, dass beim ersten Lockdown im Frühjahr der damals noch amtierende Ministerpräsident Peter Pellegrini selbst zum Hörer gegriffen und die Bischöfe gebeten hatte, die Anordnungen der Regierung mitzutragen. Diesmal erfuhren die Bischöfe die Absichten des Regierungschefs aus der Pressekonferenz.

Einen Tag später fand eine eilig einberufene Videokonferenz der Bischöfe mit dem Ministerpräsidenten statt. In dem „längeren Meinungsaustausch“ versicherte Matovič, der Staat beabsichtige „keinesfalls eine Diskriminierung oder Verfolgung der Gläubigen“. Die Bischöfe bekundeten ein weiteres Mal ihre Bereitschaft, „dem Staat bei der Bewältigung der zweiten Welle der Pandemie zu helfen und die Verschärfung der Maßnahmen zu respektieren“. Derzeit  hielten sie jedoch „ein flächendeckendes Verbot öffentlicher Gottesdienste für nicht angemessen“, hieß es im Anschluss.

Tags darauf erklärte der Regierungschef nach Rücksprache mit dem staatlichen Chefhygieniker Ján Mikas, es seien ab dem 1. Oktober Massenveranstaltungen mit maximal 50 Teilnehmern erlaubt. Um wechselseitigen Vorwürfen von Kultur, Sport und Kirchen vorzubeugen, würden die Bedingungen für alle Bereiche gelten, führte Matovič aus. Die 50-Personen-Regel gilt demnach für alle Anwesenden zusammen und umfasst im Fall der Kirchen daher auch Priester und Ministranten.

Die Verordnungen für den Notstand gelten 45 Tage. Möglich wären laut slowakischer Verfassung 90. Die nun ausgegebene Frist umfasst auch Allerheiligen und Allerseelen. Und zwar bewusst, wie der Ministerpräsident darlegte. Man habe nach dem traditionellen Gräbergang noch zwei Wochen Zeit, um die Entwicklung der Infektionszahlen zu studieren und dann die weitere Vorgangsweise zu bestimmen.

Die auch innerhalb der katholischen Kirche immer wieder immer wegen ihres Lavierens kritisierte Bischofskonferenz hat nach Meinung von Beobachtern mit ihrem entschlossenen Widerstand gegen ein Totalverbot öffentlicher Gottesdienste jedenfalls gepunktet. Es sei „an der Zeit, dass die Bischöfe auf den Tisch hauen und zeigen, dass sie nicht nur verlässliche Partner, sondern auch unangenehme Widersacher“ sein können, meinte Generalsekretär Ziolkovský noch vor dem Rückzieher von Matovič. Die Bischöfe hätten „dem Ministerpräsidenten eine Lektion erteilt, aus der auch seine Nachfolger lernen könnten“, so der Kirchenexperte Imrich Gazda im konservativen Internetportal postoj.sk. (Quelle: Katholische Presseagentur Kathpress, www.kathpress.at)

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