Slowakei: Kirchliche und politische Debatten um Corona-Maßnahmen

Die slowakischen Bischöfe haben bei ihrer Vollversammlung unter anderem über den Kampf gegen die Coronavirus-Pandemie diskutiert und dabei die staatlichen Maßnahmen kritisiert. In einem offenen Brief an die Regierung beklagten die Bischöfe vor allem das seit Wochen geltende Verbot öffentlicher Gottesdienste. Sie kritisierten den wechselnden Umgang der Regierung mit der Pandemie, der zu Verunsicherung in der Gesellschaft und für politische Debatten sorge.

Das Episkopat beteuerte in dem Brief zwar, dass er die staatlichen Corona-Maßnahmen weiterhin respektiere, und rief erneut zur Einhaltung der Regeln auf. Allerdings klagten Gläubige immer häufiger über „geistliche Leiden“ aufgrund der Einschränkungen. Beichte und Kommunion seien für die Gläubigen „immer eine Quelle der Ermunterung, der Kraft und des inneren Gleichgewichts“ gewesen, heißt es in dem Schreiben weiter. Da sie schon länger die Sakramente nicht mehr legal empfangen könnten, zeigten sich negative Auswirkungen auf den Gemütszustand der Gläubigen und sie fühlten sich in der schwierigen Zeit von der Kirche im Stich gelassen. Daher baten die Bischöfe die Regierung, andere, „angemessene“ Maßnahmen zu finden, bei denen die geistlichen Bedürfnisse berücksichtig würden. Sie wiesen auch auf die wachsende Zahl Geimpfter und Genesener in der Bevölkerung hin, die gefahrlos an Gottesdiensten teilnehmen könnten. Zudem betonten sie, dass religiöse Feiern ein Teil des Rechts auf Religionsfreiheit sei und nicht einfach aus der Versammlungsfreiheit folge. Der Sprecher der Slowakischen Bischofskonferenz, Martin Kramara, präzisierte, es wäre hilfreich, wenn „die Leute zumindest einzeln auf ein paar Augenblicke zum privaten Gebet eintreten und eventuell die Beichte und Kommunion vereinbaren können“.

Der Apell der Bischöfe löste ein breites Echo aus, dabei gehen die Meinungen in Politik und Gesellschaft auseinander. Unterstützung erhielten die Bischöfe von Arbeitsminister Milan Krajniak, der in den sozialen Netzwerken eine Öffnung der Kirchen angeregt hat. Allerdings müssten für die Teilnahme strenge Bedingungen gelten. Auch er verwies darauf, dass der Besuch von Gottesdiensten Teil der von der Verfassung geschützten Religionsfreiheit sei. Seine Partei Wir sind Familie hat den Vorschlag nicht besprochen, es handle sich um die persönliche Meinung Krajniaks.

Die ebenfalls an der Regierungskoalition beteiligte Partei Freiheit und Solidarität hingegen findet die Öffnung der Kirchen in der aktuellen Situation „absolut verantwortungslos“. Sie wies darauf hin, dass Kirchen vor allem von älteren Personen besucht würden, die zur Risikogruppe gehören. Wenn man die Kirchen öffne, könne man auch Dienstleistungsanbieter und Läden öffnen, fügte sie hinzu. Die Partei Für die Menschen, ebenfalls Teil der Regierungskoalition, drückte ihr Verständnis für die Gläubigen aus, rief sie aber auf, sich zu gedulden. Die epidemiologische Situation sei schlimm und es sei „extrem wichtig“, die sozialen Kontakte zu minimieren, um Ansteckungen zu verhindern. Impfungen und die Einhaltung der Regeln sollten die Situation verbessern, glaubt die Partei. Dann könnten die Maßnahmen schrittweise gelockert werden, auch in Bezug auf Gottesdienste.

Die größte Oppositionspartei Smer bemängelte, dass der Regierungskoalition eine Strategie fehle, um das Land aus der schlimmen Situation zu führen. Dabei müsse die Regierung aus vergangenen Fehlern lernen, so sei die Wiederöffnung der Kirchen im November eine „überstürzte Entscheidung“ von Ministerpräsident Igor Matovič gewesen. Damit habe er den angeblichen Erfolg der landesweiten Tests zeigen wollen. Das Resultat seien die rekordhohen Zahlen bei den Todesfällen und Hospitalisierungen. Matovič selbst will auch nicht auf die Bitten der Bischöfe eingehen. Angesichts der hohen Infektionszahlen sei eine Öffnung der Kirchen aktuell „verantwortungslos“. Die slowakische Präsidentin Zuzana Čaputová verwies ebenfalls auf die ernste Situation und rief dazu auf, auf die Wissenschaft zu hören. Der Regierung legte sie nahe, auf zwar schwierige, aber erprobte Maßnahmen zu setzen und keine Zeit auf Experimente zu verschwenden. (mit Material von Kathpress) (NÖK)

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