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Serbien: Hl. Synod ruft zu Gewaltlosigkeit auf

27. März 2025

Angesichts der anhaltenden Massenproteste gegen Korruption in Serbien hat sich nun auch der Hl. Synod der Serbischen Orthodoxen Kirche (SOK) geäußert. Sie seien zutiefst besorgt über die möglichen Unruhen im Volk, schrieben die Bischöfe in ihrem Statement. Mit Blick auf die österliche Fastenzeit riefen sie alle in irgendeiner Form Beteiligten auf, ihre eigenen Sünden zu bedenken und „Früchte der Reue“ zu zeigen. Seit Anfang November protestieren Studierende für eine lückenlose Aufklärung des Einsturzes des Bahnhofsvordachs in Novi Sad, bei dem 15 Menschen umkamen. Inzwischen haben sich im ganzen Land verschiedene Gruppen den Demonstrationen angeschlossen und fordern bessere funktionierende staatliche Institutionen.

Mit Blick auf frühere „Spaltungen und Zwietracht in unserem Volk“ baten die Bischöfe die Menschen, alles ihnen mögliche zur „Erhaltung des Friedens in uns und zwischen uns“ zu tun. Weiter riefen sie dazu auf, Gewalt jeder Art, ungeachtet von wo oder von welcher Seite sie komme, „völlig abzulehnen“. Gewalt „vermehrt Gewalt und führt uns in einen Teufelskreis, in dem wir alle Verlierer sind“, führten die Bischöfe weiter aus. Gewalt zerstöre die Grundlagen der Gesellschaft und schaffe neue Spaltungen, die tiefer als die ererbten seien. Freiheit und Wahrheit seien von unschätzbarem Wert, aber ohne Liebe und Respekt unerfüllbar. Deshalb legten die Bischöfe allen nahe, in jedem Umfeld „ausdauernd und beharrlich durch wohlwollenden Dialog das gegenseitige Vertrauen und Verständnis aufzubauen“. Partikularinteressen seien nie wichtiger als das Allgemeinwohl des Volks und des Staates, gaben die Bischöfe zu bedenken. Abschließend erklärten sie, dass die Kirche ihre Türen weit öffne und „alle verantwortlichen gesellschaftlichen Akteure“ zu brüderlichem Dialog aufrufe.

Auch der serbische Patriarch Profirije äußerte sich in einer Predigt erneut zu den Protesten. Bei einem Gottesdienst in der Sveti-Sava-Kathedrale in Belgrad am 14. März betete er für ein Ende der Spaltungen im serbischen Volk und für Frieden. Zunächst wandte er sich an die jungen Menschen, in die er „das größte Vertrauen“ von allen habe, und bat sie, so weiterzumachen wie bisher und alles ihnen Mögliche dafür zu tun, um Gewalt zu vermeiden. Das gelte aber „für alle gesellschaftlichen Akteure“ und noch mehr für „alle staatlichen Institutionen“. Alle sollten alles daran setzen, dass „Frieden unser ultimativer Wert und unser ultimatives Ziel ist“. Zugleich betonte Porfirije, dass in der Kirche alle ohne Ausnahme aufgenommen würden, und dass die Kirche niemandem sage, was er zu tun habe, sie rufe alle zu Liebe und Offenheit auf. Er bete für die ganze Jugend und sei sicher, dass es niemanden gebe, der nicht ständig von Sorge erfüllt, aber auch voller Glauben und Hoffnung auf Gott sei. Abschließend rief er noch einmal insbesondere die Studierenden, aber auch alle anderen und explizit die staatlichen Institutionen auf, sich für Frieden einzusetzen.

Am 16. März erklärte der Patriarch zudem in einer Predigt, er wünsche sich, dass „unsere Kinder“ in die Klassenzimmer, Primar- und Mittelschulen sowie in die Universitäten zurückkehrten. Oft werde infrage gestellt, was er über die Forderungen der Studierenden denke, deshalb sage er, er denke, dass es keinen Menschen gebe, der nicht dafür sei, dass die Forderungen der Studierenden erfüllt würden. Das liege aber nicht an ihm, sondern an kompetenteren Menschen, die dazu berufen und dafür bezahlt seien.

Bisher haben sich nur wenige Bischöfe der SOK klar zu den Protesten geäußert. Kürzlich veröffentlichten mehrere Bischöfe ein Statement, in dem sie die Studierenden in Schutz nahmen. Damit wandten sie sich in erster Linie gegen einen Text von Bischof David (Perović) von Kruševac. Metropolit Grigorije (Durić) von Deutschland hatten schon vor längerem klar Partei für die Studierenden ergriffen. Patriarch Porfirije hat mehrfach Gewalt gegen die Demonstrierenden klar verurteilt, ansonsten ist er bisher eher vage geblieben. (NÖK)

Die Proteste in Serbien und die Serbische Orthodoxe Kirche

Seit November 2024 protstieren in Serbien viele Menschen gegen Korruption. Davor Džalto erklärt die Haltung der Serbischen Orthodoxen Kirche zu den Protesten und entwirft mögliche Zukunftsszenarien.