Ukraine: Orthodoxe Kirchen rufen zu Kooperation in der Ukraine-Frage auf

Der Hl. Synod der Rumänischen Orthodoxen Kirche hat die Patriarchate von Konstantinopel und Moskau zur Zusammenarbeit in der ukrainischen Kirchenfrage aufgerufen. An seiner Sitzung am 26. Oktober besprach er die Lage in der Ukraine und appellierte an beiden Seiten, gemeinsam zu einer Lösung zu finden und dabei die „Einheit des Glaubens und die administrativ-pastorale Freiheit zu bewahren“. Der Hl. Synod betonte zudem, dass Einheit „durch gemeinsame Verantwortung und Kooperation zwischen den Lokalkirchen, durch die Pflege des Dialogs und der Synodalität auf panorthodoxer Ebene bewahrt“ werde.

Damit schließt sich die Rumänische Orthodoxe Kirche nach langem Schweigen dem Ruf nach Dialog und panorthodoxer Zusammenarbeit anderer orthodoxer Lokalkirchen an. So haben die orthodoxen Kirchen von Antiochien, Serbien, Polen sowie Tschechiens und der Slowakei zu einem panorthodoxen Konzil aufgerufen. Auch aus anderen Kirchen hatten einzelne Bischöfe ein Konzil befürwortet, so aus der Bulgarischen und der Griechischen Orthodoxen Kirche. Für die Beteiligung der anderen Lokalkirchen spricht sich auch die Orthodoxe Kirche von Jerusalem aus. Sie bete für die Einheit der Orthodoxie und setze ihre Hoffnungen in den Dialog als Instrument der Konfliktlösung, erklärte ein Vertreter des Patriarchats von Jerusalem gegenüber der Nachrichtenagentur RIA-Novosti.

Während seines Besuchs in Serbien Mitte Oktober veröffentlichten Patriarch Johannes von Antiochien und der serbische Patriarchen Irinej gemeinsam eine Erklärung, in der die beiden vor den „Gefahren der Entfremdung, Spaltung und Trennung“ und den Fallen der Politik warnen sowie „eigenmächtige Entscheidungen“ verurteilen. Irinej ist einer der vehementesten Unterstützer der russischen Position, er hat der Russischen Orthodoxen Kirche und Patriarch Kirill mehrfach seine Solidarität versichert. Hintergrund ist, dass die Serbische Orthodoxe Kirche (SOK) selbst mit zwei abtrünnigen Kirchen konfrontiert ist, die nach der Anerkennung ihrer Unabhängigkeit streben.

In Montenegro hat sich 1993 die sog. Montenegrinische Orthodoxe Kirche vom Belgrader Patriarchat losgesagt, wird aber von der Weltorthodoxie nicht anerkannt. Die SOK wirft der montenegrinischen Regierung vor, die abgespaltene Kirche auf Kosten der SOK zu unterstützen. Weit mehr Sorgen bereitet ihr allerdings die Situation in Makedonien. Dort hat sich 1967 die Makedonische Orthodoxe Kirche von ihr losgesagt, ihre Autokephalie wird ebenfalls nicht anerkannt. Ende 2017 hatte diese deshalb die Bulgarische Orthodoxe Kirche darum gebeten, ihre Mutterkirche zu werden und sich in dieser Angelegenheit für sie einzusetzen, worauf der Hl. Synod der Bulgarischen Orthodoxen Kirche einging. Bartholomaios hatte das Vorgehen der bulgarischen Kirche kritisiert und die Zuständigkeit des Ökumenischen Patriarchats betont. Nun hat er jedoch offenbar gesagt, die makedonische Frage liege in der Kompetenz der SOK, und betont, es gebe keine Parallelen zur Situation in der Ukraine.

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