Belarus: Erzbischof Kondrusiewicz reicht Antrag auf Pensionierung ein

Der katholische Erzbischof Tadeusz Kondrusiewicz von Minsk-Mahiljou wird demnächst beim Papst seinen Antrag auf Versetzung in den Ruhestand einreichen. In einem Interview mit der Katholischen Informationsagentur (kai) in Polen verwies er darauf, dass er am 3. Januar 2021 75 Jahre alt werde. Eine Verlängerung seiner Amtszeit hänge allein vom Papst ab.

Der Erzbischof lebt zurzeit im polnischen Sokółka an der belarusischen Grenze, nachdem ihm am 31. August die Wiedereinreise nach Belarus verweigert worden war. Er sei jedoch in ständigem Kontakt mit seinen Weihbischöfen in Minsk und in Mahiljou und verfolge die gesellschaftspolitische Krise genau. Er habe sich nie mit Politik beschäftigt, sondern ausschließlich das Evangelium verkündet und die Soziallehre der Kirche umgesetzt, und dies tue die katholische Kirche in Belarus auch in Bezug auf die gesellschaftspolitische Krise: „Weder ich noch jemand aus unserer Kirche haben jemals zu Protesten aufgerufen, aber wir halten uns immer an die Soziallehre der Kirche und rufen zu einer friedliche Lösung von Konflikten auf. Wir sind gegen Lügen, Gewalt und Ungerechtigkeit, wie es in der katholischen Soziallehre heißt.“

Auf die Proteste gegen die Verschärfung des Abtreibungsgesetz in Polen angesprochen sagte Kondrusiewicz: „Wenn ich sehe, was sich auf polnischen Straßen abspielt, bin ich entsetzt. Freiheit ist eine große Gabe, aber auch eine große Aufgabe, und nicht jeder ist in der Lage, sie zu verstehen. Die Frage, wie man die Gabe der Freiheit weise nutzt, ist immer noch aktuell. Wenn wir bei Demonstrationen hören, dass die Kirche oder das Gesetz Gottes diese Freiheit einschränke, sogar beim freien Zugang zur Abtreibung, also bei der Tötung eines Menschen im Mutterleib, entsteht ein sehr ernstes Problem, wie man die Freiheit verstehen soll und wie man sie nutzt. Soll die Freiheit die absolute Freiheit eines autonomen Individuums sein, oder sollte sie durch das Wohl oder das Leid anderer sowie das Gemeinwohl der gesamten Gemeinschaft begrenzt sein?“

In seinem Hirtenbrief zum Weihnachtsfest schreibt Kondrusiewicz: „Belarus erlebt eine noch nie dagewesene gesellschaftspolitische Krise in seiner Geschichte, die seit fünf Monaten andauert und nicht enden kann. Was ist die Ursache und warum dauert es so lange? Unter den vielen Antworten, die von Politikern, Ökonomen und gesellschaftlichen Akteuren angeboten werden, ist es wichtig festzustellen, dass die Hauptursache der Krise die Abwesenheit Jesu in unseren Herzen ist mit seinem Gebot, Gott und den Nächsten zu lieben (Mk 12, 28–31), sogar unseren Feinden zu vergeben (Lk 23,34), gerecht zu sein (vgl. Mt 5,6). Wir sollten unser Vaterland als eine Zivilisation des Lebens und der Liebe aufbauen. Wir werden dies nicht mit Hass und Gewalt tun, sondern mit gegenseitiger Liebe, weil wir uns selbst nicht verachten können.“

Regula Zwahlen

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