Russland: Strafverfahren gegen orthodoxe Aktivistin eingeleitet
Am 2. September ist die Wohnung der orthodoxen Aktivistin Lida Moniava durchsucht worden, danach wurde sie zur Befragung auf die Untersuchungsbehörde gebracht. Gegen sie wurde ein Strafverfahren gemäß Art. 207.3 Absatz 2 eröffnet, ihr wird die Verbreitung „wissentlich falscher Informationen“ über die russische Armee aus politischem Hass oder Feindschaft vorgeworfen. Moniava hat die Anschuldigungen zurückgewiesen.
Moniava ist eine der Gründerinnen des Kinderhospizes „Haus mit Leuchtturm“ und Leiterin der gleichnamigen Stiftung. Im Februar 2026 wurde ihr bereits eine Buße von 45‘000 Rubeln (ca. 450 Euro) für die Diskreditierung der Armee auferlegt. Auslöser waren Publikation, darunter ein Post über einen getöteten Sechstklässler im ukrainischen Sumy und eine Liste mit Kindern, die bei Russlands Beschuss von Kryvyj Rih getötet wurden. Nun geht es um einen Post zum ersten Jahrestag des russischen Angriffskriegs gegen die Ukraine, in dem sie schrieb, „Wie viele unschuldige Menschen sind in diesem Jahr aus Schuld meines Landes umgekommen?“. Ihr drohen bis zu zehn Jahre Haftstrafe.
Am 3. September versammelten sich dutzende Personen zur Unterstützung Moniavas vor dem Gericht in Moskau, um zu erfahren, welche Maßnahmen gegen sie verhängt werden. Unter den Anwesenden waren die Eltern des ins Exil abgeschobenen Oppositionspolitikers Ilija Jaschin sowie Dmitrij Muratov, Chefredakteur der unabhängigen Zeitung Novaja Gazeta und Friedensnobelpreisträger 2021. Moniava wurde freigelassen, darf aber nachts nicht das Haus verlassen, sich nicht mit Zeugen in ihrem Fall austauschen und das Internet nicht benutzen. Die Strafverfolgung hatte Untersuchungshaft beantragt. Zur Unterstützung der Aktivistin wurde ein Telegram-Kanal eingerichtet, auf dem Neuigkeiten im Strafverfahren mitgeteilt werden sollen.
Im August hatte Moniava von der Gerichtverhandlung gegen Nikita Ivankovitsch und Denis Popovitsch berichtet. Den beiden jungen Männern wird ein geplanter Anschlag auf Metropolit Tichon (Schevkunov) vorgeworfen, was jedoch sehr unglaubwürdig scheint. Deswegen wurde sie vom Telegram-Kanal Bischof Luzifer angegriffen, der sie schon früher kritisiert und als „liberale Verräterin“ bezeichnet hatte. Auch im Fall von Ivankovitsch und Popovitsch spielte der Kanal eine Rolle, er publizierte bereits vor deren Verhaftung Mitschnitte von Gesprächen und drohte den beiden. Wer hinter dem Kanal steht, ist nicht bekannt. (NÖK)

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