Slowakei: Zunehmende Kritik an Einschränkungen für Kirchen

Angesichts des herrschenden völligen Verbots öffentlicher Gottesdienste seit Anfang des Jahres ist nun auch Kritik aus der Griechisch-Katholischen Kirche der Slowakei zu hören. So hat Erzbischof Cyril Vasil, der Apostolische Koadjutor der Eparchie Košice, angeregt, dass bereits geimpfte und von Covid-19 genesene Gläubige wieder Gottesdienste besuchen dürfen. Die Kirche sei sich bewusst, dass die Gesundheit und das Leben vorgehen, und trage die staatlichen Maßnahmen bereitwillig mit. Trotzdem plädierte der Erzbischof für diese Kompromisslösung, damit die Gläubigen wenigstens teilweise am liturgischen Leben teilnehmen könnten.

Im Februar hatte bereits die Bischofskonferenz der katholischen Kirche in der Slowakei die strengen Maßnahmen kritisiert. Zwar bekräftigten die Bischöfe, diese weiterhin zu respektieren, und riefen zur Einhaltung der Regeln auf, zugleich beklagten sie aber das Leiden der Gläubigen. In einem gemeinsamen Fernsehinterview mit dem früheren Außenminister und EU-Kommissar Ján Figel‘, der die Maßnahmen ebenfalls schon Anfang März als Verstoß gegen die slowakische Verfassung und die Europäische Menschenrechtskonvention kritisiert hatte, stimmte Vasil diesem zu. Bei der Frage um die Gottesdienste gehe es nicht nur um Religionsfreiheit, sondern auch um die „seelische Gesundheit in der psychisch belastenden Zeit der Pandemie“. Öffentliche Gottesdienste könnten deshalb nicht mit Sport- oder anderen Freizeitveranstaltungen gleichgestellt werden.

Die Einschränkungen sind entsprechend einem automatischen Farbsystem abgestuft. Gottesdienste sind erst nach der Überwindung der „schwarzen“ Phase im ganzen Land mit begrenzter Teilnehmerzahl wieder erlaubt. Noch ist jedoch ein Teil der Slowakei schwarz eingestuft.

Von Corona profitiert hat hingegen der kirchliche Fernsehsender TV Lux, seine Zuschauerzahl ist innerhalb eines Jahres auf das Fünffache gestiegen. Laut dem Programmdirektor handelt es sich um das erfolgreichste Jahr seit der Gründung des Senders 2008. Im Schnitt werden die Sonntagsgottesdienste von 250‘000 Zuschauer*innen verfolgt, an Ostern und Weihnachten waren es fast 500‘000. Gleich nach der Schließung der Kirchen im Frühling hatte TV Lux beschlossen, die Direktübertragung von Gottesdiensten auszuweiten. Diese wurden mit den Übertragungen von Radio Lumen, das der Bischofskonferenz untersteht, und dem katholischen Radio Maria koordiniert. So konnten die Gläubigen täglich morgens, mittags und abends einen Gottesdienst verfolgen. Aus den Anfragen verunsicherter Gläubiger habe sich zudem das Format „Wir sind da für euch“ entwickelt, in dem prominente Geistliche das Publikum informierten. Die gesammelten Erfahrungen in der Medienarbeit will die Kirche nach der Pandemie weiter nutzen. (mit Material von Kathpress) (NÖK)

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