Ukraine: Filaret verliert Kontrolle über Eparchie Kiew

Filaret (Denisenko), der langjährige Patriarch der unkanonischen Ukrainischen Orthodoxen Kirche–Kiewer Patriarchat (UOK–KP) und „Ehrenpatriarch“ der neuen Orthodoxen Kirche der Ukraine (OKU), hat trotz aller Kritik und Warnungen am 20. Juni ein Landeskonzil der UOK–KP abgehalten. Daran nahmen jedoch nur zwei Bischöfe teil, die von der UOK–KP zur OKU gekommen waren, außerdem waren 200 Delegierte – Gläubige, die weiterhin der UOK–KP anhängen – und 50 Gäste anwesend. Die Versammlung verabschiedete eine Resolution, in der die Auflösung des Kiewer Patriarchats zurückgewiesen wird.

Filaret ist seit längerem mit seiner Rolle als „Ehrenpatriarch“ der OKU unzufrieden und hat bereits mehrfach behauptet, dass die UOK–KP trotz des Vereinigungskonzils vom 15. Dezember 2018 noch immer existiere. Diesen Standpunkt hält nun auch das Konzil fest. Zudem wird betont, dass Filaret weiterhin das Oberhaupt des Kiewer Patriarchats und dieses weiterhin im Besitz all seiner Mittel und seines Eigentums sei. Dazu gehören laut dem Beschluss alle Klöster und Gemeinden der Eparchie Kiew, auch das Michaelskloster, das von Metropolit Epifanij (Dumenko), dem Oberhaupt der OKU, geleitet wird.

Den Autokephalie-Tomos, mit dem das Ökumenische Patriarchat der OKU die Unabhängigkeit verliehen hat, wies das Landeskonzil ebenfalls zurück, weil es mit seinem Inhalt unzufrieden ist. Deshalb bleibe das Kiewer Patriarchat bei seinem Statut. An der Versammlung wurden außerdem zwei neue Bischöfe gewählt. Gegenüber Journalisten erklärte Filaret, dass in der Ukraine drei orthodoxe Kirchen parallel existieren können: die dem Moskauer Patriarchat unterstehende Ukrainische Orthodoxe Kirche (UOK), die OKU mit einem „begrenzten Tomos, der sie dem Ökumenischen Patriarchat unterordnet“ und eine dritte „unabhängige Kirche“, das Kiewer Patriarchat. Falls die OKU sich seiner Kirche anschließen wolle, sei niemand dagegen, wenn nicht, werde sie separat existieren, fügte Filaret hinzu.

In ihrer Stellungnahme erklärte die OKU, die Versammlung und ihre Beschlüsse hätten weder „rechtliche noch kanonische Auswirkungen“ auf die OKU. Es handle sich auch nicht um eine Spaltung, da lediglich ein kleiner Teil der OKU eine „neue Struktur“ gegründet habe. Auch die Bischofsernennungen seien in der OKU ungültig. Am 24. Juni beschloss der Hl. Synod der OKU, alle Gemeinden und Klöster Kiews Metropolit Epinfanij zu unterstellen. Bisher hatte Filaret der Eparchie Kiew und den dortigen Klöstern und Gemeinden vorgestanden und verlor somit seine offizielle Position in der OKU. Die beiden Bischöfe, die am Treffen teilgenommen hatten, wurden aus der OKU ausgeschlossen. Die beiden neugewählten Bischöfe wurden vom Dienst suspendiert. Filaret selbst wurde dank seiner Verdienste für die ukrainische Kirche nicht aus der OKU ausgeschlossen.

Filaret erklärte, diese Entscheidungen der OKU gingen ihn nichts an, da seine Kirche unabhängig sei, „wir distanzieren uns von der OKU“. Zudem beschuldigte er die OKU „räuberischer Besetzungen“ in Bezug auf seine Kirchen. Zwar beabsichtige er nicht, juristisch dagegen vorzugehen, da er den ukrainischen Gerichten nicht traut, will sich aber an die ukrainische und internationale Öffentlichkeit wenden. Diese soll die Ukraine dazu bringen, die „Rechte und Freiheiten“ der Bürger zu schützen.

Das Moskauer Patriarchat sieht in den jüngsten Entwicklungen ein Zeichen für den Irrtum Konstantinopels in der Ukraine-Frage. Es sei „nicht überraschend“, dass etwas, das aufgrund „vorübergehender politischer Interessen“ geschaffen wurde, die nächsten Wahlen nicht überlebe, sagte Nikolaj Balaschov, der stellv. Leiter des Außenamts des Moskauer Patriarchats. Nun sei klar geworden, dass „situative Lügen nichts Gutes gebracht haben“. Besondere Trauer rufe bei ihm die Beteiligung – neben Politikern und Vertretern „nicht kanonischer religiöser Organisationen“ – des Patriarchats von Konstantinopel hervor.

Filaret’s Final Act and the Future of the Orthodox Church of Ukraine

blog denysenko ukraine filaretDer ehemalige Kiewer Patriarch und Ehrenpatriarch der OKU, Filaret (Denisenko), versucht seine Position in der OKU auszubauen. Nicholas Denysenko erläutert die aktuelle Lage und schildert mögliche Entwicklungen.

Weiterlesen

Tornike Metreveli zu Wahlen und Religion in der Ukraine

interview metreveli ukraine wahlen religionTornike Metreveli spricht über die Rolle der Religion im ukrainischen Präsidentschaftswahlkampf und darüber, was sich mit der Gründung der Orthodoxen Kirche der Ukraine für die Gläubigen und Priester an der Basis verändert hat.

Weiterlesen

Kirche in Kiew: Lokales Handeln und globaler Glauben

kommentar sigov vereinigungskonzilÜber die Autokephalie der Orthodoxen Kirche der Ukraine werden hitzige Debatten geführt. Konstantin Sigov ruft in Erinnerung, dass aus theologischer Sicht alle orthodoxen Kirchen den einen Leib Christi bilden. Diese Einheit ist tiefer als alle ethnischen, politischen oder linguistischen Unterschiede.

Weiterlesen

Orthodoxie in der Ukraine: Panorama und Entwicklungstendenzen

kommentar Bohdan Ohulchanskyi orthodoxie ukraineAnlässlich des Vereinigungskonzils vom 15. Dezember, an dem das Oberhaupt der neuen autokephalen Orthodoxen Kirche der Ukraine gewählt wurde, blickt Bohdan Ohultschanskyj auf die Spaltungen und Bemühungen um Autokephalie in der Ukraine seit den 1990er Jahren zurück.

Weiterlesen

After the Council: Challenges Facing the Orthodox Church of Ukraine

sophienkathedrale ukraine kiewAm 15. Dezember hat ein Vereinigungskonzil in der Ukraine das Oberhaupt der neuen autokephalen Orthodoxen Kirche der Ukraine gewählt. Nicholas Denysenko identifiziert drei zentrale Herausforderungen, vor denen die neue Kirche nun steht.


Weiterlesen

Die Autokephaliefrage der Ukrainischen Orthodoxen Kirche: Plädoyer für einen sozialethischen Ansatz

kommentar sozialethik in ukraine frageIn der Debatte um die Autokephalie für die Ukrainische Orthodoxe Kirche wird oft kanonisch oder historisch argumentiert, dabei bleibe die konkrete Situation der Betroffenen auf der Strecke, erklärt Cezar Marksteiner-Ungureanu; deshalb plädiert er für einen sozialethischen Ansatz.

Weiterlesen

Assaad Elias Kattan über die Folgen des Bruchs zwischen Moskau und Konstantinopel

interview kattanDer Bruch zwischen Moskau und Konstantinopel wird zahlreiche Auswirkungen haben, beispielsweise auf die Zusammenarbeit in orthodoxen Institutionen in der Diaspora, erklärt Assaad Elias Kattan. Zugleich bezweifelt er, dass andere orthodoxe Kirchen Moskau folgen werden.

Weiterlesen

The Case for Constantinople

essay chryssavgis ukraine frage orthodoxy in dialogueJohn Chryssavgis, griechisch-orthodoxer Priester in Amerika und theologischer Berater des Ökumenischen Patriarchen Bartholomaios in Umweltfragen, nimmt zu den Spannungen zwischen den Patriarchaten von Moskau und Konstantinopel in der Ukraine-Frage Stellung.

Weiterlesen

Kann die Geschichte den Konflikt um die ukrainische Autokephalie lösen?

artikel bremer senyk ukraineIn den Debatten um eine mögliche Autokephalie für die Ukrainische Orthodoxe Kirche wird immer wieder historisch argumentiert. Thomas Bremer und Sophia Senyk untersuchen diese Argumentation und ihr Potential, zur Konfliktlösung beizutragen.

Weiterlesen

Sergii Bortnyk zur Situation der ukrainischen Orthodoxie

interview sergij bortnykDie Entsendung zweier Exarchen in die Ukraine durch das Ökumenische Patriarchat hat die Spannungen um eine mögliche Autokephalie für die Ukrainische Orthodoxe Kirche zusätzlich befeuert. Zu den aktuellen Entwicklungen in der Ukraine nimmt Sergii Bortnyk Stellung.

Weiterlesen

Unabhängige Kirche in der Ukraine: Friendensgarant oder Kriegstreiber?

Sophienkathedrale 200Der Streit um eine autokephale Kirche in der Ukraine eskaliert zusehends. Regina Elsner analysiert im ZOiS Spotlight anhand der vier friedensethischen Leitkategorien – Recht, Gerechtigkeit, Gewalt und Herrschaft – Risiken und Chancen der Entwicklung.

Weiterlesen

Die russische Kirche verliert die Ukraine

kommentar sergej chapnin kirill und bartholomaiosSergej Chapnin interpretiert das Treffen der Patriarchen von Moskau und Konstantinopel vom 31. August 2018, bei dem es um die Frage der Autokephalie für die Ukrainische Orthodoxe Kirche ging, und vermutetet einen unerfreulichen Ausgang für die Russische Orthodoxe Kirche.

Weiterlesen

Liliya Berezhnaya zur Frage der Autokephalie in der Ukraine

interview liliya berezhnayaDie jüngsten Bemühungen um die Autokephalie für die Ukrainische Orthodoxe Kirche haben zahlreiche Reaktionen ausgelöst. Liliya Berezhnaya erläutert die Rollen und Absichten der Beteiligten und setzt die Autonomiebestrebungen in einen historischen Kontext.

Weiterlesen

The Promise of Autocephaly in Ukraine: What’s at Stake?

blog denysenko ukrainische autokephalieIm April 2018 hat Präsident Petro Poroschenko, unterstützt vom Parlament, den Ökumenischen Patriarchen Bartholomaios offiziell um die Autokephalie für die Ukrainische Orthodoxe Kirche gebeten. Nicholas Denysenko analysiert, was für die verschiedenen Akteure auf dem Spiel steht.

Weiterlesen

Drucken