Konstantinopel: Bartholomaios weist Jerusalemer Initiative zurück

Der Ökumenische Patriarch Bartholomaios hat die Initiative des Patriarchen von Jerusalem in der Ukraine-Frage scharf zurückgewiesen. Theophilos III. hatte bei einem Besuch in Moskau im November 2019 die Oberhäupter der orthodoxen Lokalkirchen nach Amman eingeladen, um das Thema zu diskutieren. In seinem Antwortschreiben erinnert Bartholomaios den Patriarchen von Jerusalem daran, wer den Vorsitz unter den orthodoxen Kirchen hat und wem das Recht zukommt, panorthodoxe Versammlungen einzuberufen.

Entsprechend der „immer und bis vor kurzem von allen orthodoxen Kirchen respektierten“ kanonischen Ordnung seien panorthodoxe Synoden der orthodoxen Oberhäupter immer vom Ökumenischen Patriarchen von Konstantinopel einberufen worden, und er habe diese Synoden auch geleitet, betonte Bartholomaios in dem Brief. Zudem warf er die Frage auf, „welcher Art von Einheit“ die Initiative dienen solle, „wenn das ranghöchste orthodoxe Oberhaupt an der vorgeschlagenen Synode abwesend ist“. Er forderte Theophilos zur Rücknahme der „unkanonischen Initiative“ auf, die „ausländischen Zwecken dient“ und die Position des Ökumenischen Patriarchats untergrabe. Außerdem drückte Bartholomaios sein Befremden darüber aus, dass der griechisch-orthodoxe Patriarch seine Einladung nicht in Griechisch, sondern in verfasst hatte.

Auch Erzbischof Chrysostomos (Dimitriou) von Zypern hat erklärt, die Einladung für das für Februar 2020 geplante Treffen zu ignorieren, da nur der Ökumenische Patriarch das Recht habe, eine Versammlung der orthodoxen Oberhäupter einzuberufen. Auch das Oberhaupt der Orthodoxen Kirche von Griechenland, Erzbischof Hieronymos (Liapis), wird nicht an dem Treffen teilnehmen. An der Sitzung der Hl. Synode im Januar lehnte er Theophilos‘ Einladung offiziell ab, aus demselben Grund wie Chrysostomos. Die Russische Orthodoxe Kirche (ROK) sowie die Orthodoxe Kirche von Tschechien und der Slowakei haben die Einladung dagegen angenommen.

Patriarch Bartholomaios betonte in einem Interview mit der serbischen Zeitung Kurir Ende Dezember die Rolle seiner Kirche als „Mutterkirche“. Alle Kirchen hätten die Autokephalie und somit ihre „geistliche Geburt“ von ihr erhalten. Als Mutter liebe sie alle ihre Kinder, auch die ungehorsamen, erklärte der Ökumenische Patriarch. Im Januar wies Metropolit Ilarion (Alfejev), der Leiter des Außenamtes des Moskauer Patriarchats, gegenüber der russischen Nachrichtenagentur Interfax Vorwürfe zurück, die ROK strebe danach, dem Ökumenischen Patriarchat seine vorrangige Position in der Orthodoxie abzujagen. Aus den griechisch-sprachigen Kirchen sei „wiederholt“ die Anschuldigung zu hören gewesen, dass die ROK den Vorrang Konstantinopels ablehne.

Ilarion erklärte, die ROK verfüge – möglicherweise als einzige orthodoxe Kirche – sogar über ein Dokument ihres Hl. Synods vom Dezember 2013 über ihre Position zum Vorrang Konstantinopels und dessen Anerkennung. Das Problem liege in der Frage, wie dieser Vorrang verstanden werde. Die „kanonische Tradition“ und „orthodoxe Ekklesiologie“ verstehe den Vorrang als Ehrenvorsitz, als „Ersten unter Gleichen“. In den letzten 100 Jahren habe sich im Patriarchat von Konstantinopel jedoch ein Verständnis entwickelt, das „faktisch das römisch-katholische Modell der Kirchenstruktur kopiert“. Diese Form des Vorrangs lehne die ROK als nicht den Traditionen der Kirche entsprechend ab. Dieses Verständnis habe auch zur Einmischung Konstantinopels in der Ukraine geführt und den „erzwungenen“ Abbruch der eucharistischen Gemeinschaft mit Konstantinopel durch die ROK zur Folge gehabt.

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