Türkei: Bei ukrainischer Autokephalie gibt es für Bartholomaios kein zurück

In einem Interview mit einer zypriotischen Zeitung hat der Ökumenische Patriarch Bartholomaios Schwierigkeiten beklagt, mit der Russischen Orthodoxen Kirche (ROK) einen Dialog zu führen. Er habe lange versucht, mit dem Moskauer Patriarchat über die Ukraine-Frage zu sprechen. Doch dieses habe den Prozess systematisch behindert und positive Resultate verunmöglicht. Für seine Kirche sei die Autokephalie der Orthodoxen Kirche der Ukraine (OKU) nun ein Fait accompli, erklärte Bartholomaios.

Verwundert zeigte sich der Ökumenische Patriarch, dass die ROK und die sie unterstützenden orthodoxen Lokalkirchen „die Grundlagen ihrer eigenen Autokephalie untergraben, die sie auf ähnliche Weise von der Mutterkirche aus Konstantinopel erhalten haben“. Die einzige Lösung sei die Anerkennung der Autokephalie der OKU durch alle orthodoxen Kirchenoberhäupter. Zum „brüderlichen Treffen“ einiger orthodoxer Kirchen in Amman im Februar sagte Bartholomaios, dieses habe der Struktur der Orthodoxen Kirche und den innerorthodoxen Beziehungen einen weiteren Schlag versetzt.

Anlass des Interviews war ein Besuch von Erzbischof Chrysostomos, dem Oberhaupt der Orthodoxen Kirche von Zypern, beim Ökumenischen Patriarchen in Istanbul. Dabei nahm Chrysostomos Stellung zu Problemen in der Orthodoxie, zu denen er die Anerkennung der OKU nicht zählte. Er könnte „sie auch gestern oder heute oder morgen anerkennen“, für ihn sei „das überhaupt kein Problem“. Das Problem seien die „Probleme der Orthodoxie“, aber das hätten noch nicht alle orthodoxen Kirchenoberhäupter – insbesondere diejenigen, die nicht am Panorthodoxen Konzil von Kreta teilgenommen hätten – verstanden. Er habe auch einigen Kirchenvorstehern zu erklären versucht, dass es unnötig sei, eigene Bischöfe in fremde kanonische Territorien zu schicken, nur weil dort eigene Bürger leben. So unterstünden die über 300’000 griechisch-zypriotischen Bürger im Ausland der Jurisdiktion des Ökumenischen Patriarchats. Nationalität sei nicht so wichtig wie die Kirchenordnung und Tradition.

In diesem Zusammenhang bedauerte Bartholomaios, dass es seit dem Ende des Kommunismus zu einem Wiedererstarken des Ethnophyletsimus im Kirchenleben gekommen sei. Außerdem kritisierte er, dass nun mehrere Kirchen eine Synode forderten, nachdem einige von ihnen das Panorthodoxe Konzil von Kreta nicht anerkannt hatten und ihm ferngeblieben waren. Bartholomaios forderte, dass alle orthodoxen Kirchen die Entscheidungen von Kreta anerkennen, da sie den zugrundeliegenden Texten an den Vorbereitungssitzungen zugestimmt hätten. Die Kirchen, die nicht teilgenommen hatten, wollten die Entscheidungen von ihren kirchlichen Gremien beurteilen lassen, doch sie seien seit 2016 noch zu keiner Anerkennung gelangt, kritisierte Bartholomaios weiter.

Dagegen hat der Hl. Synod der ROK an seiner Sitzung vom 11. März das Treffen von Amman gutgeheißen. Zudem findet er die „Fortsetzung der panorthodoxen Diskussion“ nützlich, die allen „allgemein anerkannten autokephalen orthodoxen Kirchen“ offenstehe. (NÖK)

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