Russland: Patriarch erinnert an den Sieg über die Goldene Horde am Tag der Teilmobilmachung

Das Oberhaupt der Russischen Orthodoxen Kirche hat in seiner Predigt vom 21. September zum Fest der Geburt der Gottesmutter an die siegreiche Schlacht der russischen Fürstentümer gegen die mongolische Goldene Horde im September 1380 auf dem Kulikowo Pole (Schnepfenfeld) erinnert. Der Feind habe von der Verehrung der Gottesmutter nichts gewusst und sich bei dieser Schlacht in totaler Sicherheit gewiegt, dass er den Sieg davontragen werde, „doch wir wissen, dass das nicht passiert ist. Der unbesiegbare Feind wurde gestoppt, und ging nach hundert Jahren weg, weil er erkannt hatte, dass dieses Volk und dieses Reich unbesiegbar sind.“ Die Rus’ sei unbesiegbar, weil sie ihre Sprache, ihren Glauben, ihre Kultur sogar unter fremder (mongolischer) Herrschaft bewahrt habe, so Patriarch Kirill. Die wichtigste Rolle dabei hätten die orthodoxe Kirche und der tiefe Glaube des Volkes gespielt. Der Glaube mache stark und über alle materiellen Alltagssorgen und Todesangst erhaben: „Und deshalb ist es wichtig, dass an der Grundlage unseres nationalen Lebens als gewaltige Priorität der Glaube steht, und zusammen mit ihm ein System christlicher Werte, welche die Seele erheben und den Menschen, der überzeugt glaubt, zum ewigen Leben führen, weshalb er unbesiegbar ist.“

Am Vormittag des 21. September hat Präsident Putin die Teilmobilmachung im Krieg gegen die Ukraine verkündet, die der Westen nach der Spaltung der Sowjetunion zu einem antirussischen Brückenkopf machen wolle. Diese Rhetorik untermauert auch der Patriarch: „Heute macht unser Vaterland, die Rus‘, die historische Rus‘, eine schwere Zeit durch. Wir wissen, was in der Ukraine geschieht. Wir wissen, welche Gefahr über der ukrainischen Nation schwebt, die man umzuformen und in einen Staat zu verwandeln versucht, der Russland gegenüber feindlich eingestellt ist. Es ist sehr wichtig, dass in unseren Herzen nicht das Gefühl entsteht, dass es dort einen Feind gibt. Wir sollten heute dafür beten, dass der Herr die brüderlichen Gefühle der Völker der heiligen Rus‘ stärkt, und dass die Einheit unserer Kirche, die in der Tat der Garant des Friedens auf dem Gebiet der Rus‘ ist, immer fester wird. Warum sonst hat der Zerfall unseres Landes [Red.: russ. strana; das Wort bezeichnete früher die gesamte Sowjetunion, nicht einzelne Volksrepubliken] mit Versuchen begonnen, die Kirche zu zerreißen, Schismen und Spaltungen zu schaffen? Der Feind wusste, dass er hier ansetzen musste. Obwohl wir Verluste erlitten haben und in der Ukraine ein gefährliches, sündhaftes, Schisma ohne Gottes Segen entstanden ist, wurde der orthodoxe Glaube dort bewahrt, und unsere Brüder und Schwestern, Erzpriester und Priester sind vereint und beten, wie ich glaube, weiterhin mit uns gemeinsam vor dem Thron Gottes für das Ende des internen Streits und die Wiederherstellung des Friedens auf dem Gebiet der historischen Rus‘.“

Regula Zwahlen

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