Russland: Patriarch Kirill ruft zu Gebeten für Putin auf

Das Oberhaupt der Russischen Orthodoxen Kirche hat zum besonderen Gebet für Präsident Putin und die Armeeführung aufgerufen, um die Unabhängigkeit Russlands zu verteidigen. In seiner Predigt am 12. September sprach Patriarch Kirill von „sorgenvollen, sogar sehr sorgenvollen Zeiten“. Von der Ukraine war in der Rede nicht direkt die Rede: „Heute ist eine Zeit angebrochen, da wir besonders für unser Vaterland, unseren Präsidenten […], für unsere Armee beten müssen. Dafür, dass das Land genug Kräfte haben möge, um seine echte Unabhängigkeit von den mächtigsten Kräften zu bewahren, die heute über die Mehrheit der Länder weltweit herrschen.“

Die Kirche habe einst eine enorme Rolle bei der Befreiung Russlands von ausländischen Mächten gespielt [Red.: gemeint ist der Zweite Weltkrieg], und schwierige äußere Umstände trügen auch heute dazu bei, „unseren religiösen Sinn und unser Bewusstsein der Zugehörigkeit zur Kirche zu mobilisieren“ (russ. mobilizujut), was jetzt besonders wichtig sei. „Wir müssen dafür beten, dass unsere Heimat von allen Gefahren verschont wird, dass alle diejenigen leer ausgehen, die davon träumen, Russland als unabhängigen, vollkommen unabhängigen Staat zu zerstören. Solche Staaten kann man an den Fingern einer Hand abzählen, alle anderen sind so oder anders von den weltweiten Machtzentren abhängig; doch Russland ist von keinerlei Machtzentren abhängig […]. Das ist ein großes Privileg, aber auch ein gewaltiges Kreuz, weil es immer Leute geben wird, die ein so reiches, starkes Land wie Russland in ihren Einflussbereich bringen wollen“, so der Patriarch.

Bereits im März hatte Kirill von der metaphysischen Bedeutung des Kampfes gegen die Mächte der Welt gesprochen. Auch diesmal sprach er von einer moralischen und geistlichen Rechtfertigung des Krieges, die Kriegsverbrechen verunmögliche. Der Patriarch nannte die Fürsten Alexander Nevskij und Daniil von Moskau als Vorbilder dafür, wie eine politische und kriegerische Mission mit Heiligkeit vereinbart werden könne: „Wahrscheinlich ist eine solche Kombination der Schlüssel dafür, dass das Land, das eine solche Führung hat, niemals Kriegsverbrechen begehen wird. Denn wenn an der Spitze des Vaterlandes, an der Spitze der Armee ein heiliger Mensch steht, oder vielleicht auch kein heiliger, aber ein gläubiger, orthodoxer, getaufter Mensch, der sich seiner Verantwortung vor Gott, der Kirche und dem Land bewusst ist, dann ist das Land gegen alle Arten von militärischen Abenteuern abgesichert, dann kann das Land sicher sein, dass das Schwert an seiner Hüfte nur dann gezogen wird, wenn es moralisch, sittlich und sogar geistlich gerechtfertigt ist.“ Diese personelle Voraussetzung ist laut Kirill offenbar im Russland der Gegenwart gegeben, denn deshalb „gilt unser besonderes Gebet dem Oberhaupt unseres Staates, dem Oberbefehlshaber Vladimir Vladimirovitsch Putin, der eine besondere Verantwortung trägt, und auch allen militärischen Befehlshabern und Verantwortlichen. Auf dass der Herr sie weise und stärke, leite, vor Sünden und Fehlern bewahre und zugleich ansporne, so zu handeln, dass unser Vaterland vor allen äußeren, vielleicht sogar den gefährlichsten und schrecklichsten Bedrohungen geschützt werde.“

Regula Zwahlen

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